Kurzer Leitfaden für wissenschaftliche Vorträge
1 Die Folien
1.1 Vorüberlegungen
Wie sieht mein Zielpublikum aus? Was ist die wichtigste Teilgruppe?
- Was kann ich an Vorkenntnissen erwarten?
- Was will die jeweilige Gruppe lernen?
Wieviel Zeit habe ich und was kann ich in dieser Zeit vermitteln?
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Pro Folie knapp zwei Minuten einplanen.
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Wie sieht die Gliederung aus?
- Einleitung mit Übersichtsfolie, Problemdefinition, Motivation,
Stand der Technik inklusive Terminologie und verwandte Arbeiten.
- Hauptteil mit den wesentlichen Ergebnissen und der Bewertung.
- Zusammenfassung mit den Kernaussagen und der Ausblick.
Überlegen, was man bei Zeitknappheit auslassen kann;
die entsprechenden Folien kann man für Rückfragen aufheben.
Viele Aussagen lassen sich auch mündlich treffen.
Nicht alles muss im Vortrag ausgewälzt sein; es kann ruhig etwas
Diskussionsstoff bleiben.
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1.2 Inhalt
Was muss aus dem Vortrag klar werden?
- Thema und Ziele der Arbeit.
- Gelöste Probleme und eigene Leistungen.
- Offene Probleme und neue Ziele.
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Der Zuhörer soll Interesse an der Lektüre der Ausarbeitung bekommen.
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Wie wird der Inhalt verständlich?
- Intuitive Beispiele.
- Klar strukturierte Schaubilder.
- Konsistente Hervorhebung der wesentlichen Aussagen.
- Zusammengehörende Inhalte als zusammengehörend kennzeichnen.
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Einleitung und Zusammenfassung müssen von der
Zuhörergruppe mit dem geringsten Kenntnisstand verstanden werden.
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Wie wird der Inhalt interessant?
- Beispiele.
- Schaubilder.
- Für Experten einmal kurz ins Detail gehen.
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Anschauliches (Schaubilder) kommt auf die Folien, Unanschauliches
(lange Formeln, Beweise) bleibt zum Nachlesen in der Ausarbeitung.
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1.3 Gestaltung
Wie sieht der generelle Folienaufbau aus?
- Querformat (Hochformat nur für entsprechende Bilder oder Tabellen)
- Angaben an Kopf- und Fußzeilen: Titel, Logo und Datum sind optional,
Foliennummern sind für Rückfragen wünschenswert.
Wie mache ich lesbare Folien?
- Folien per Software erstellen.
Serifenlose, nicht zu filigrane Schrift, kein Blocksatz, Trennungen vermeiden.
Bei der Farbwahl für ausreichenden Kontrast sorgen.
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- Sehr groß schreiben - Schriftgrößen nicht unter 16pt.
Faustregel: Schriften doppelt so groß wie in einem normalen Textdokument.
Fußnoten: 8-9pt -> 16-18pt
Normaler Text: 10-12pt -> 20-24pt
Überschriften: 16-24pt -> 32-48pt
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- Keine unnötigen Abkürzungen.
- Nicht zuviel auf eine Folie packen:
- Stichworte statt ganzer Sätze (Ausnahme: Zitate, Theoreme)
- Keine zu komplizierten Inhalte (große Tabellen, Diagramme, Formeln)
- Anzahl der Aufzählungspunkte minimieren (Faustregel: nicht mehr als 7)
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Lieber zwei sparsame Folien als eine zu volle.
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Was gibt es sonst zu beachten?
- Zahlenmaterial und Diagramme mit Untertiteln versehen, der erklärt,
was die Abbildung zeigt; Maßstab / Einheiten nicht vergessen.
Logarithmische Maßstäbe als solche kennzeichnen.
- Keine Folien übereinanderlegen oder abdecken. Das Herumhantieren an
den Folien wirkt enorm störend, zudem können sie verrutschen. Wenn auf
einer Folie erkennbar Informationen vorenthalten werden, werden manche
Zuhörer unruhig oder fühlen sich bevormundet.
- Farben wirken auf dem Bildschirm anders als auf dem Drucker und
wieder anders in der Projektion. In der Regel sinkt zudem der Kontrast.
Daher möglichst "reine" (Drucker: CMY, Beamer: RGB) und deutlich
unterscheidbare Farben mit hohem Kontrast wählen. Schwarze Schrift ist
auf blauem oder roten Untergrund kaum lesbar.
Was ändert sich bei Online-Präsentationen mit einem Beamer?
- Zu schlichte, einfarbige Vorträge können den Eindruck erwecken,
der Vortragende arbeite nur widerstrebend oder aus Zwang mit der Software.
Daher moderater Einsatz von Farben und Formen.
- Hintergrundbilder sollten möglichst dezent sein und nicht mit dem Text
interferieren. Wolkenbilder sind denkbar schlecht geeignet!
- Einblendungen und Animationen wirken nur dann professionell, wenn sich der
Vortragende gut vorbereitet und bei den Übergängen flüssig weiterreden
kann.
- Spezialeffekte (Animationen, Geräusche, Überblendungen) sollen zum
Vortrag beitragen, nicht davon ablenken. Werden keine direkten
Nutzinformationen übermittelt (z.B. den Fokus der Zuhörer auf etwas
wirklich wesentliches zu lenken oder einen Ablauf zu visualisieren),
wirken sie albern. Wer unbedingt angeben will, sollte dies auf die
erste oder letzte Folie beschränken.
2 Der Vortrag
2.1 Vorbereitung
Den Vortrag vorher üben, laut, am besten mit Zuhörern.
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Die Einstiegssätze kann man auswendig lernen, es sollte aber
nicht so klingen.
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Den "Rauschanteil" vermindern, das spart wertvolle Redezeit und behindert
nicht das Verständnis der Zuhörer:
- Meta-Aussagen im Stil von "Das habe ich jetzt unklar dargestellt"
oder "Leider hatte ich nicht genug Zeit, um das besser
auszuführen" sind für niemanden hilfreich.
- Eine Entschuldigung dafür, dass man die Vortragssprache nicht fließend
beherrscht, ist unnötig.
- Verlegenheitsfloskeln ("...aber eben auch gerade...") sind Denkpausen
für den Vortragenden - aber nicht für die Zuhörer. Durch gute Vorbereitung
und einen Sprechstil mit kurzen Pausen (Stille statt Gestammel) kann
man viel gewinnen.
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Erklärungen zum Vortrag kann man vorher oder nachher abgegeben,
keinesfalls aber während des Vortrags.
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Antworten auf häufig gestellte Fragen ruhig vorher überlegen.
Beispiele für typische Fragen und Anmerkungen sind:
- Mit sind Ihre Ziele/Randbedingungen nicht ganz klar geworden: (...)
- Warum haben Sie den Ansatz
<Lieblingsthema des Fragenden einfügen> nicht weiterverfolgt?
- Ihre Arbeit hat meiner Ansicht folgende Probleme: (...)
- Wie wollen Sie Ihre Arbeiten in Zukunft fortführen?
2.2 Während des Vortrags
Die Zuhörer müssen die Projektion gut sehen und den Vortrag
gut hören können:
- Folie gerade ausrichten und durch kurzen Kontrollblick überprüfen.
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Beim Folienwechseln ist Gelegenheit, unauffällig die Redezeit zu
überprüfen.
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- Nicht schon beim Auflegen über die Folie reden.
- Auch kurze Folien mindestens 30sec aufgelegt lassen, damit die
Zuhörer den Inhalt erfassen können.
- Nicht die Sicht auf Aushänge/Tafeln/Projektionsfläche versperren.
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Nicht am Projektor selbst auf die Folie deuten, sonst steht man leicht
im Weg.
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- Lautstärke den örtlichen Gegebenheiten anpassen.
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Die Lautstärke stimmt automatisch, wenn man zur hintersten Reihe
spricht.
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Einen lockeren und sicheren Eindruck machen:
- Frei sprechen; der Folie bzw. den Handzetteln nur Stichworte
entnehmen. Ganze Passagen vorzulesen ist nur bei längeren Zitaten
akzeptabel.
- Ruhig gestikulieren, nicht herumfuchteln (etwa den Zeigestock dauernd
ein- und ausfahren). Nicht unruhig auf- und abwandern.
Handzettel mit Stichworten helfen nicht nur bei Hängern, sondern
geben einem auch etwas zum festhalten.
Wichtige Anmerkungen, die nicht auf den Folien stehen, kann man auf
solchen Handzetteln notieren.
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- Nicht verkrampft dastehen (etwa die Hände in die Taschen stecken).
- Wechselnde Blickkontakte, um niemanden längere Zeit anzustarren und
möglichst alle anzusehen.
- Die Aufmerksamkeit der Zuhörer sollte immer dem Vortragenden folgen
können: Bei Referenzen auf Folienpassagen kurz auf diese deuten.
Bei Online-Präsentationen mit Einblendungen sollte der Redner einen
Fokuswechsel vorab ankündigen und nicht nachträglich darauf reagieren.
Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen:
- Bei einem Aussetzer keine Panik, sondern sich kurz entschuldigen
und den aktuellen Folieninhalt rasch rekapitulieren.
- Vergessene Passagen möglichst nicht mehr nachträglich einflechten.
Unklarheiten können im Anschluss immer noch bereinigt werden.
- Zwischenfragen, die sich vermutlich später von selbst klären werden,
mit einer entsprechenden Bemerkung verschieben. Die Frage dann zum
richtigen Zeitpunkt aufgreifen und beantworten. Nicht ins Vortragskonzept
passende Zwischenfragen in aller Kürze beantworten und höflich auf die
Diskussion verweisen.
Wenn die Zeit knapp wird:
- Anekdoten und Randbemerkungen weglassen, Beispiele zügiger behandeln
(z.B. Messreihen sofort interpretieren statt einzelne Werte
herauszugreifen).
- Nur noch die wesentlichsten Folien auflegen; die Übrigen auslassen oder
mündlich zusammenfassen.
- Die letzte Folie (meist mit dem Ausblick) kann etwas in die
Diskussionszeit "`hineinragen"' und muss dann nicht so ausführlich
besprochen werden.
2.3 Die Fragen dannach
Den Fragenden unbedingt ernst nehmen:
- Den Fragesteller immer ausreden lassen.
- Auch bei unsinnigen Fragen geduldig antworten.
- Wenn die Frage sich auf eine Folie bezieht, diese auflegen,
aber auch nicht ewig danach suchen, wenn sie nicht bereitliegt.
Angemessene Antworten geben:
- Fragen nicht als persönliche Kritik interpretieren. Nicht in eine
generelle Verteidigungshaltung verfallen.
- Sollte man doch einmal offensichtlich persönlich angegangen werden,
die Bemerkung geflissentlich übergehen.
- Einzelne Fragen, die nicht von allgemeinem Interesse sind
und/oder eine langwierige Antwort erfordern, auf später im kleineren
Kreis verschieben.
Wenn man keine Antwort parat hat:
- Wenn die Frage unklar war, lieber rückfragen als ausweichen. Ist
der Sinn der Frage nicht zu erschließen, um eine andere Formulierung
bitten.
- Nicht auf Gedeih und Verderb eine Antwort konstruieren oder
sich mit Verlegenheitsfloskeln aus der Affäre ziehen; lieber offen
zugeben, dass man etwas nicht weiß.
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Im kleineren Kreis kann man auch die Anwesenden um Rat bitten; man
sollte aber keinen Zuhörer durch direkte Anrede zur Stellungnahme
nötigen.
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Viel Erfolg!
A Quellenverzeichnis
Giving a talk
Oral Presentation Tips
Oral Presentation Advice